Zum Inhalt springen

Was ich als Schauspielerin lerne

Hey Freunde, strange strange Times! 2020 überrascht uns wohl immer wieder, mit seinen endlosen Möglichkeiten uns wachzurütteln, zu transformieren, umzudenken und zu vertrauen.

Ich liebe meinen Beruf. (Punkt.) Er ist in meinen Augen, aber auch so ziemlich der schlimmste Beruf für deine mentale Gesundheit. Man dealt mit Kontrollverlust, muss sich immer wieder aufs Neue auf den Beruf bewerben, den man eigentlich eh schon hat. Man nimmt eine neue Persona an … was macht das mit dem Selbstgefühl? Und obendrauf macht man das Ganze sehr öffentlich.

ABER … what doesn’t kill you makes you stronger.

Und gerade in diesen ungewissen Zeiten merke ich, wie ich ein paar Dinge, die ich als Schauspielerin zwangsläufig lernen musste anwenden kann.

Kontrollverlust

Zu drehen ist der absolute Kontrollverlust, was du anziehst, wann du deine Haare wäschst, was du sagst. Du wirst den ganzen Tag angefasst, es wird an dir rumgezupelt. Du begibst dich völlig in die Hände deiner Rolle.

Die beste Art mit Kontrollverlust umzugehen ist wahrscheinlich zu akzeptieren das man eh nie Kontrolle hatte. Easy Peasy. Moving on … ach ja wenn es so einfach wäre. Kontrolle ist Fluch und Segen. Die Waagschale zwischen Disziplin und Self-Check in und Überwachungszwang in dem eigenen Gefängnis. Mir hilft es Kontrolle mit Entscheidung zu ersetzten. Was kann ich heute entscheiden? Ok ich werde um 6 Uhr abgeholt, das heißt ich kann nicht bis 11 Uhr ausschlafen (Panik, Kontrollverlust etc.). Aber was kann ich entscheiden? Wecke ich mich um 5 Uhr, um schonmal einen Tee zu trinken? Oder schlafe ich bis 5:50 weiter? Das kann mir keiner nehmen, solange ich um 6 auf der Matte stehe. Oder ich werde den ganzen Tag in „fremden“ Klamotten sein aber ich kann entscheiden was ich auf den Weg zum Set anziehe.

Wir können gerade nicht rausgehen, ins Kino gehen, uns mit Freunden treffen. Wir verlieren die Kontrolle. Aber wir können uns entscheiden wann wir aufstehen, was wir essen, wie viel wir trinken, was wir lesen. Ob wir unsere Familie oder Freunde anrufen. Wir können entscheiden wie wir mit der Situation umgehen.

Sich eine Routine entwickeln

Wenn man dreht hat man eine ganz klare, feste Routine. Man verliert jeglichen Anschluss an die „normale“ Welt, verschwindet völlig in seiner Bubble. Und dann bumm … von einem Tag auf den anderen ist alles vorbei. Du sitzt alleine Zuhause, wo du gestern noch jeden Tag mit 40 Leuten gemeinsam an einer Sache gearbeitet hast.

Und da wird es oft gefährlich. Denn die Welt um mich herum dreht sich weiter. Meine Freunde arbeiten und studieren. Die Bahnen fahren, die Flugzeuge fliegen und das schwarze Loch lächelt mich an. Flüstert leise in mein Ohr das ich nichts zu tun habe, keinen Grund aufzustehen, nichts Produktives beizutragen und das es Monate so weitergehen kann. Und ich habe zwei Möglichkeiten entweder falle ich. Und falle und falle. Oder ich atme tief ein und aus und nehme mich liebevoll in den Arm und erschaffe mir einen Gameplan!

Was schnell in diesen Momenten passiert ist, dass ich überkompensiere. Ich stopfe meinen Tag mit random Aufgaben voll wie zu Rossmann gehen oder ganz, ganz dringend jetzt heute bei der Post das Paket abgeben. Das sind alles Dinge die mich nicht inspirieren. Die man wenn man viel zu tun hat, mal so eben nebenbei macht. Aber das sind eben keine Dinge die einen wirklich Glücklich machen. Es ist nicht mal eine Beilage, geschweige denn ein Hauptgericht. Also was nun? Ich sitze also Zuhause, die Routine die ich bis eben kannte ist von einem Tag auf den anderen vorbei. Ich will mich aber auch nützlich fühlen, merke aber auch wie ich mich nach dieser intensiven Zeit entspannen muss. Produktiv Relaxen?! Und auch hier ist Balance das Zauberwort. Ich schaue mich in diesen Momenten ganz genau an. Was brauche ich? Ruhe? Freunde? Inspiration? Muss ich Schlaf aufholen? Hab ich ein starkes Bedürfnis mich wieder mehr zu bewegen? All of the above?

Dann schaue ich mir an was ich gerade am meisten brauche und schreibe mir einen kleinen, aber feinen Tagesplan. Manchmal auch nur für die ersten paar Tage um aus dem Gröbsten rauszukommen. Wenn ich also Schlaf aufholen muss, wecke ich mich erst um 10. Aber ich stelle mir trotzdem einen Wecker um mir zu zeigen das es gut ist aufzustehen. Wenn ich Zeit mit Freunden oder der Familie brauche plane ich jeden Tag 1 (wichtig in Worten EIN) Date. Denn sich dann mit 10 Leuten nach einander zutreffen ist weder ihnen, noch dir gegenüber fair. (Kein Überkompensieren!) Kreiere dir eine ganz individuelle Routine die sich gut anfühlt aber wenn du sie hast, dann bleib ihr auch ein paar Tage treu und schau wie es dir dabei geht. Das Produktive mit dem Entspannen verbinden. Da reicht manchmal schon sich einen Wecker auf 45 Minuten zu stellen und zu lesen. Man kommt runter, ruht sich aus aber setzt dem eben auch einen Rahmen.

Ich weiß dieses „Problem“ ist immer noch ein großer Luxus. Und ich weiß das viele sich das von Herzen wünschen würden einfach mal nichts zu tun zu haben. Jeder mit einem Kind schüttelt wahrscheinlich gerade den Kopf. Aber jeder hat nun mal sein eigenes Lebenskonzept und Dämonen und struggels. Und in der Situation in der wir uns gerade befinden, sind glaube ich auf einmal viele in dieser neuen ungewohnten Situation des weg brechens des ’normalen‘ Lebens.

Wer bin ich eigentlich?

Und zu guter Letzt die Königsdisziplin. Wer bin ich eigentlich?

Wenn ich sage: ‚Wir müssen jetzt die extrovertierten Menschen unter uns in unsere Mitte nehmen‘ ist das natürlich lustig gemeint aber es schwingt etwas Wahrheit mit. Gerade für jemanden der sich viel über die außen Welt identifiziert, kann diese Zeit extrem schwer sein. Der Menschen um sich herum braucht um aufzutanken.

Wer bin ich eigentlich ohne das? Ohne die Rolle? Ohne die Vorurteile? Die Angst? Was macht mich aus? Eine Frage, die glaube ich nicht nur Schauspieler nachts wachhalten kann.

Ehrlich keinen Plan. Kein Plan wie und ob man diese Frage beantworten kann. Ich habe aber gemerkt das ich solange ich die Rolle nach einem Dreh abschüttele (im wahrsten Sinne des Wortes) es reicht und ich nicht genau wissen muss wer dadrunter Amber ist. Ich merke schon wann ich was bin und wann nicht. Das dauert manchmal ein paar Tage. Manchmal ein paar Stunden. Und hey ich habe das Gefühl heute erst völlig eine Rolle abgeschüttelt zu haben die ich vor einem Jahr gespielt habe. Ein guter Trick ist es sich Babyfotos von sich anzugucken. Nirgends wo siehst du deinen Spirit so pur und ungefiltert.

Diese Zeit bringt uns allen sehr viel bei. Ob man will oder nicht. Go with the flow or go under ist denke ich die Devise. Und wenn du gerade untergetaucht bist, sei liebevoll, atme tief ein und aus, you got this! Und du hast immer immer immer die Erlaubnis wieder aufzutauchen.

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.